Archiv für den Monat: Oktober 2014

Stets der Arbeit hinterher

Der Arbeitsmarkt war in Timos Heimatstadt erschöpft, jedenfalls was Juristenstellen anging. Er konnte zwar der dritte Handlanger eines Anwalts werden aber mehr war im Moment nicht drin. Lange hatten er und Jasmin darüber diskutiert, welche Möglichkeiten in Zukunft bestünden einen vernünftigen Job zu ergattern. Im Prinzip blieb Timo nur übrig in die nächst größere Stadt zu gehen, auch wenn das für ihre Beziehung bedeuten würde, sich nur noch an den Wochenenden zu sehen. Geduldig wartete Timo die Stellenanzeigen in der örtlichen Tageszeitung ab und verfolgte akribisch die Entwicklung einiger renommierter Anwaltskanzleien. Eines Tages legte ihm Jasmin dann einen Ausdruck einer Stellenanzeige vor die Nase. Sie erklärte ihm, dass sie wusste, dass der Job nicht um die Ecke war, doch das Stellenprofil habe sich so interessant angehört. Die Stelle war an einer Universität ausgeschrieben, sie suchte einen juristischen Sachbearbeiter für studienbezogene Angelegenheiten. Unter anderem befasste sich die Stelle mit Studierenden die ihren Studienplatz einklagen aber auch mit der Erstellung und Überprüfung von Satzungen für neue Studiengänge. Jasmin hatte Recht, die Stelle hörte sich in der Tat interessant an. Deshalb zögerte Timo nicht lange und setzte sich an den Computer um seine Bewerbung abzuschicken nachdem er sich auf www.studienplatz-eilantrag.de ausgiebig informiert hatte.

Studienplatz einklagen

Drei Wochen später wartete Timo vor einem Büro in einem kargen Gang der Universität Bremen darauf, für sein Vorstellungsgespräch herein gebeten zu werden. Die Abteilungsleiterin bat in fünf Minuten später in ihr Büro. Zuerst sollte sich Timo vorstellen, anschließend erläuterte ihm die Abteilungsleiterin die Aufgaben der Stelle. Ein großer Bereich wurde durch Fälle in denen Studierende ihren Studienplatz einklagen abgedeckt, diese würden immer mehr, merkte die Abteilungsleiterin an. Aber auch einfache Einsprüche bei Exmatrikulationen oder abgelehnten Urlaubssemestern könnten auf dem Tisch landen. Den zweiten großen Anteil hatten die Satzungen, welche für neu einzurichtende Institute aber auch für bereits bestehende Studiengänge überprüft und bearbeitetet werden müssten. Die Abteilungsleiterin fragte Timo, ob er auch schon einmal vor Gericht gearbeitet hätte, dies könnte auf ihn zukommen bei den Fällen in denen es darum ging, einen Studienplatz einklagen zu wollen. Timo erzählte welche Fälle er bereits vor Gericht verhandelt hätte. Mit einem mulmigen Gefühl fuhr er nach Hause, seine Chancen konnte er überhaupt nicht einschätzen.
Völlig unerwartet rief in die Abteilungsleiterin zwei Wochen nach seinem Vorstellungsgespräch an und teilte ihm mit, dass er zum nächsten ersten an der Universität anfangen könne.

Kleine Jungs und große Autos – eine klassische Liebesgeschichte

 

 

Dass man kleine Jungs mit wenigen Dingen so sehr begeistern kann, wie mit großen Autos, ist ja ein alter Hut: Ich kenne kaum einen Jungen, der nicht dieses gewisse Blitzen in den Augen bekommt, wenn er ein besonders schönes Fahrzeug zu Gesicht bekommt – mit besonders großen Rädern, mit besonders lautem Motor, mit bunt bemalter Karosserie… Je ausgefallener, desto besser! Das mag vielleicht ein Klischee sein, aber ich finde, die realer Erfahrung zeigt, dass es zumindest in 99 % der Fälle zutrifft. Und natürlich, wenn sich ein kleiner Junge eben nicht für Autos interessiert sondern beispielsweise für Dinosaurier oder für Ponies oder wofür auch immer, dann sei ihm auch das gegönnt. Das ist ja schließlich keine Pflicht, da bin ich nicht so altmodisch, zu behaupten, dass sich jeder Junge für Autos interessieren müsste, um ein richtiger Junge zu sein!

 

Wie das zu meinen Grundschulzeiten war…

 

Als ich damals in die Grundschule ging, war das so, dass sich wirklich alle Jungs für Autos interessierten. Gesteigert wurde dies vielleicht dadurch, dass es längst nicht so selbstverständlich war wie heute, dass die Väter selbst ein Auto hatten. Nicht jeder meiner Mitschüler hatte also das Privileg, bei Papa auf dem Beifahrersitz mitfahren zu dürfen und am Wochenende vielleicht sogar bei kleineren Reparaturen mit unter die Motorhaube schauen zu dürfen. Mein Vater hatte sogar einen Dienstwagen, einen in schwarz und silber lackierten alten Mercedes mit schön geformter Karosserie – das war schon eine Attraktion! So habe ich dann auch meine besten Freunde, oder auch größere Jungs, mit denen ich gerne befreundet sein wollte, zu mir nachhause eingeladen, um uns unauffällig dazuzustellen, wenn mein Vater das Auto wusch – in der Hoffnung, dass er fragen würde, ob vielleicht einer von uns mal mit dem großen weichen Schwamm über die Felgen wischen wollte. Ein anderer Junge aus meiner Klasse erzählte, dass sein Opa auf dem Dorf wohnte und sogar einen eigenen Traktor hätte, aber das konnte er nie beweisen und so wurde er manchmal ausgelacht, weil er sich das angeblich nur ausgedacht hätte.

 

Der kleine Junge von damals ist erwachsen geworden

 

Ja, und heute bin ich nun der erwachsene Mann, der selbst ein Auto fahren kann kann, und mein kleiner Neffe ist in dem Alter, wo ich damals mit großen Augen und voller Begeisterung den tropfnassen Schwamm über die Felgen von Papas Mercedes wischen durfte. Ich selbst habe heute gar kein Auto, denn in der Großstadt lohnt sich das irgendwie nicht. Ich komme mit dem öffentlichen Nahverkehr oder mit dem Fahrrad über all viel schneller und bequemer hin und für die seltenen Momente, wo man mal ein Auto braucht, der leihe ich mir einfach eines. Mit der zunehmenden Ausbreitung der Carsharing-Modelle ist das ja nun wirklich kein Problem mehr, da bin ich auch sehr glücklich darüber. Und nur als Statussymbol ein Auto anzuschaffen, das ist mir mittlerweile zu blöd. Die Begeisterung für Autos ist mir dennoch geblieben, ich lese regelmäßig Auto-Magazine und fahre gelegentlich auch auf Events, um ihr mal ein paar besonders schöne Fahrzeuge anzuschauen. Und als mir meine Frau zum Hochzeitstag einmal einen Gutschein für einen Tag Porsche-Fahren schenkte, habe ich mich natürlich schon riesig gefreut. Aber ja, im Alltag, da brauch ich kein Auto.

 

Onkel, warum hast du denn eigentlich kein Auto?

 

Für meinen Neffen ist die Tatsache, dass sein Onkel kein Auto hat, ein steter Quell der Enttäuschung: Aber warum hast du denn kein Auto? Kaufst du dir bald ein Auto? Bringt der Weihnachtsmann vielleicht ein Auto? Solche und ähnliche Fragen fragen muss ich jedes Mal beantworten, wenn wir uns sehen. Womit ich meine Coolness in den Augen meines Neffen jedoch zurück gewinnen kann, das sind gemeinsame Ausflüge zu tollen Auto-Events. Das machte einen riesigen Spaß und das sind tolle Erinnerungen für uns beide! Zu deinem Geburtstag hatte ich ihm beispielsweise versprochen, dass wir gemeinsam auf eine Oldtimer-Auktion gehen. So richtig alte Autos, mit schön geschwungener Karosserie, viel Messing, Ledersitzen… Das war meine Idee!

 

Vorbereitungen für die Oldtimer-Show

 

Ja, auf diesen Ausflug habe ich den Kleinen auch ordentlich vorbereitet. Ich fand, das macht vielmehr Spaß, wenn er auch wirklich weiß, was das für tolle Autos sind, die wir uns dann gucken. Einfach nur gucken ist zwar auch schön, aber wenn man weiß, aus welchem Jahr das Auto kommt oder wie innovativ die Technik damals war, die darin eingesetzt wurde oder überhaupt wie selten das ist, das heute noch so gut erhaltene Modelle vorhanden sind, dann ist das Ergebnis doch gleich noch vielschichtiger. Und zudem lernt man dafür dann gleich auch etwas über die Geschichte – das eben früher vieles anders war, und beispielsweise auch die Autos anders aussahen. So haben wir uns also schon einmal getroffen, um gemeinsam ein Buch über Oldtimer anzuschauen. Das habe ich ihm dann auch ausgeliehen und wie erwartet hat er es tatsächlich sorgfältig durchgearbeitet – ich sage ja immer, man muss Kindern nur etwas zu lesen geben, was sie auch wirklich interessiert, dann schaffen sie es auch durch ein 120-Seiten-Buch mit komplizierten Fachbegriffen. Natürlich hat er nicht alle dieser Fachtermini verstanden, aber dafür bin ich ja da, das kann er mich ja dann fragen und ich erkläre es gerne.

Bild: holding graz

Bild: holding graz

Der lang ersehnte Ausflug mit meinem Patenkind

 

Witzigerweise stellte sich heraus, dass am selben Tag, wo die Oldtimer-Auktion stattfand, Freunde alter Fahrzeuge parallel auch ein kleines Rennen organisierten. Da ging’s gar nicht so sehr um sehr große Geschwindigkeiten, es ist ja schließlich kein Formel eins sondern eben eine Oldtimer-Wettfahrt. Das habe ich natürlich gleich in unseren Tagesplan mit aufgenommen: zuerst die Auktion, dann gemeinsames Mittagessen und dann das Rennen. Es hat ihm auch riesigen Spaß gemacht und ich habe geschätzt 5000 Fragen beantwortet. Und wie erwartet, konnte ich mal wieder mit den Sachen am meisten punkten, die mir am simpelsten schienen: So konnte ich beispielsweise seine Frage, wie denn die Startnummern auf die Frontscheiben der Oldtimer kämen, ganz einfach beantworten.

Das muss man erlebt haben – das Münchner Oktoberfest

Viele haben ja das Oktoberfest in München ohnehin auf der Liste der Reiseziele bzw. Erlebnisse, die sie unbedingt noch abhaken wollen. Ich habe bei dem Stichwort ehrlich gesagt bislang keinen besonderen Kitzel verspürt – die Aussicht auf größtenteils betrunkene Menschenhorden in stickigen Zelten schien mir wenig verlockend. Aber als ich dann meinen aktuellen Partner kennen lernte, der nun einmal aus einer alt eingesessenen Münchner Familie kommt, war mir klar, dass der Besuch der Wiesn früher oder später auf dem Programm stehen würde. Und richtig – das muss man mal erlebt haben, so sagten es mir alle, die ich in seiner Familie kennen lernte. Und dieses Jahr kam dann auch prompt die Einladung – Wiesn als Familienereignis, da konnte ich ja schlecht nein sagen.

 

Dirndl ist nicht gleich Dirndl – eine Lektion in Trachtenmode

 

Dass ich beim gemeinsamen Wiesn-Besuch nicht etwa in Jeans und T-Shirt oder im Sommerkleid erscheinen könnte, wurde mir auch – sanft aber unmissverständlich – nahe gelegt. Ich wollte letztlich auch nicht die einzige Dame sein, die unbe-dirndl-t erschien.

 

Es geht nichts über die Dirndl-Kompetenz der weiblichen Verwandtschaft!

 

So wandte ich mich letztlich mit einer Bitte um Beratung an die Münchner Damenrunde und rannte wirklich offene Türen ein. Gleich wurde ich zu einem Dirndl-Info-Abend im privaten Rahmen eingeladen. Ein wenig vorbereitet war ich ja schon: Der Blick der Abendzeitung auf die aktuellen Wiesn-Trends ist ja wie immer unbestechlich – Top oder Flop, hier wird mit strengem Urteil gerichtet. Und als wir dann gemeinsam mein erstes Dirndl aussuchten, war ich mir sicher: Bei mir wird das definitiv top!

Bild: heidiologies

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